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Praxis

Mein erster Cash-Secured-Put in TWS: Schritt für Schritt zum ersten Trade

2. Mai 2026 · ⏱ 8 Min Lesezeit

Offenlegung: Einige der Broker-Links sind Affiliate-Links. Das bedeutet: Wenn du über meinen Link ein Konto eröffnest, bekomme ich eine Provision vom Broker. Du zahlst nichts zusätzlich. Ich empfehle nur Broker, die ich selbst nutze.

Mein erster Cash-Secured-Put war 2017 auf Ford. Strike 11, 30 Tage Laufzeit, Prämie 1,15 $ pro Aktie. Ich habe vor dem Klick gefühlte zehn Minuten auf den Order-Button gestarrt. Nicht weil das Setup kompliziert war, sondern weil ich nicht sicher war, ob ich auch wirklich verstanden hatte, was ich tue. Falls dir das gerade ähnlich geht, ist dieser Artikel für dich.

Ich gehe Schritt für Schritt durch den Ablauf in der Trader Workstation (TWS) von LYNX. Was du davor brauchst, wie du das richtige Underlying auswählst, wie du Strike und Laufzeit setzt, wie du die Order korrekt platzierst, und was nach dem Trade passieren kann.

Was du brauchst, bevor du anfängst

Drei Dinge müssen sitzen, sonst kommst du gar nicht so weit, eine Order aufzugeben.

1. Ein Optionen-fähiges Depot. Standard-Direktbanken (Comdirect, ING, Trade Republic, Scalable) bieten in Deutschland keinen US-Optionshandel oder nur in eingeschränkter Form. Ich nutze LYNX, weil deutsche Steuer-Reports, deutscher Support und vor allem die Trader Workstation alles bieten, was Stillhalter brauchen. Mehr dazu im Artikel Depot eröffnen.

2. Optionen-Freigabe vom Broker. Bei LYNX musst du im Account-Antrag das Häkchen für „Optionsstrategien“ setzen. Für Cash-Secured-Puts reicht die niedrigste Freigabe-Stufe. Schreibe ehrlich, dass du Anfänger bist, und gib eine konservative Erfahrungs-Einschätzung ab. Die Freigabe kommt meist innerhalb von 24 Stunden.

3. Genug Cash auf dem Verrechnungskonto. Für einen einzelnen CSP brauchst du mindestens den Strike mal 100 Aktien als Sicherheit. Bei Ford zu Strike 11 sind das 1.100 €. Bei Apple zu Strike 220 wären es 22.000 €. Realistisch fängst du mit einem Wert an, dessen Sicherheit unter 10 % deines Depots liegt. Faustregel siehe Positionsgröße.

Underlying auswählen

Bevor du TWS überhaupt öffnest, musst du wissen, auf welche Aktie du den CSP verkaufen willst. Drei Filter helfen:

Verstehst du das Geschäftsmodell? Wenn du nicht in einem Satz erklären kannst, womit das Unternehmen Geld verdient, lass es. Du gehst die Verpflichtung ein, die Aktie zu kaufen, falls sie zugeteilt wird. Dann besser eine Firma, deren Geschäft du nachvollziehen kannst.

Ist die Liquidität ausreichend? Optionen brauchen einen engen Spread zwischen Bid und Ask. Bei Ford, Intel, Apple, Microsoft ist das immer der Fall. Bei kleinen Nischenwerten manchmal nicht. Faustregel: Wenn der Bid-Ask-Spread mehr als 10 % der Prämie ausmacht, lass es.

Stehen Earnings in den nächsten 35 Tagen an? Earnings-Berichte sind Volatilitäts-Bomben. Wenn du eine 30-Tage-Option verkaufst und drei Tage vor Verfall kommt der Quartalsbericht, kann die Option über Nacht 20 % springen. Für deinen ersten CSP: Earnings-Termine bewusst meiden. Den nächsten Termin findest du auf nasdaq.com/earnings oder direkt im Broker.

Strike und Laufzeit wählen

Hier wird es konkret. Du hast jetzt ein Underlying ausgesucht, sagen wir Ford bei aktuellem Kurs 11,80 $.

Laufzeit: Für den ersten Trade nimm 30 bis 45 Tage. Kürzer ist nervös, länger bindet zu lange Kapital. Standard sind die wöchentlichen oder monatlichen Verfall-Termine. In TWS findest du sie im Options-Chain als „DTE“ (Days to Expiration).

Strike: Lieber etwas tiefer als am Geld. Wenn die Aktie aktuell bei 11,80 $ steht, wähle einen Strike bei 11 oder 10,50. Damit bekommst du weniger Prämie, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie an Strike-Wert verfällt, ist deutlich höher. Faustregel für Anfänger: Strike rund 5 bis 10 % unter dem aktuellen Kurs.

Mehr zu der Logik in Strike, Laufzeit, Prämie.

Schritt für Schritt in der Trader Workstation

So sieht das in TWS konkret aus. Ich beschreibe das im klassischen Mosaic-Layout, aber das Vorgehen ist im Classic-Layout identisch.

1. Underlying ins Watchlist-Fenster

Oben links auf das leere Watchlist-Feld klicken. Ticker eintippen, also F für Ford. TWS zeigt dir Vorschläge an. Bestätigen mit Enter. Die Aktie steht jetzt in deiner Watchlist mit Live-Kurs.

2. Options-Chain öffnen

Rechtsklick auf den Ticker in der Watchlist, dann „Options Chain“ oder „Optionskette“ auswählen. Es öffnet sich ein neues Fenster mit allen verfügbaren Strike-Preisen und Laufzeiten.

3. Laufzeit-Spalte auswählen

Oben siehst du die Verfall-Daten. Wähle einen, der 30 bis 45 Tage in der Zukunft liegt. TWS zeigt links die Calls und rechts die Puts. Du willst die Put-Seite, also rechts.

4. Den richtigen Strike anklicken

Bei Ford zu Kurs 11,80 $ schaust du auf die Put-Spalte und klickst auf den Strike 11. Achte darauf, dass du in der Bid-Spalte bist, nicht Ask. Du verkaufst die Option, also bekommst du den Bid-Preis.

5. Order-Ticket prüfen

Es öffnet sich das Order-Ticket. Wichtig:

  • Action: SELL (du verkaufst die Option, das ist der Stillhalter-Trade)
  • Quantity: 1 (für den ersten Trade nicht mehr)
  • Order Type: LMT (Limit-Order, niemals zum Markt handeln)
  • Limit Price: Setze deinen Wunschpreis. Wenn der Bid bei 1,15 steht und der Ask bei 1,20, dann nimm den Mittelwert 1,17 oder den Bid 1,15. Limit niemals höher als der Ask.
  • Time in Force: DAY (gilt nur heute, am nächsten Tag musst du neu setzen)

6. Margin-Vorschau prüfen

Im Order-Ticket gibt es eine Vorschau, wie viel Cash gebunden wird. Bei einem CSP auf Ford zu Strike 11 sollten das rund 1.100 $ sein. Wenn dort eine andere Zahl steht, hast du wahrscheinlich versehentlich „Sell to Open“ gegen „Buy to Open“ verwechselt oder den falschen Strike. Stop, neu prüfen.

7. Order absenden

Wenn alles passt: „Transmit“ klicken. TWS zeigt eine Bestätigung an. Wenn dein Limit zu eng war, wird die Order nicht sofort ausgeführt, sondern landet im Order-Buch. Geduld. Innerhalb der ersten 30 Minuten passiert meist genug, dass deine Order gefüllt wird.

Was während der Laufzeit passieren kann

Du hast den Trade. Die Prämie ist auf deinem Konto, die Sicherheit ist gebunden. Drei Dinge können jetzt passieren.

Szenario A, der Standard: Die Aktie bleibt über deinem Strike. Die Option verfällt wertlos, du behältst die volle Prämie, kannst die Sicherheit am nächsten Handelstag wieder neu einsetzen. Das ist der angenehme Fall, und er passiert in der Mehrheit der Trades, wenn du den Strike sinnvoll gewählt hast.

Szenario B, die Zuteilung: Die Aktie fällt unter deinen Strike. Du bekommst 100 Aktien zugeteilt, dein Cash ist weg, dafür liegen die Aktien im Depot. Effektiver Einstand: Strike minus Prämie. Bei Ford-Beispiel: 11 minus 1,17 = 9,83 $ pro Aktie. Du kannst jetzt die Aktien halten und auf Kursanstieg warten oder direkt einen Covered Call darauf verkaufen, siehe Covered Call.

Szenario C, du willst raus: Manchmal ändert sich vor Verfall die Situation. Earnings werden vorgezogen, der Markt dreht, du brauchst die Sicherheit für was anderes. Du kannst die Option jederzeit zurückkaufen, indem du eine „Buy to Close“-Order zum Bid-Ask-Mittelwert aufgibst. Wenn die Option viel weniger wert ist als deine Verkaufs-Prämie, machst du Gewinn. Wenn sie mehr wert ist, machst du Verlust.

Was ich beim ersten Mal falsch gemacht habe

Drei Sachen, die du dir sparen kannst:

Zu enge Strike-Wahl. Mein erster CSP hatte einen Strike, der nur 2 % unter dem Kurs lag. Das brachte mehr Prämie, aber auch eine viel höhere Wahrscheinlichkeit der Zuteilung. Ich hatte gedacht, ich nehme die Aktien notfalls gerne. Tatsächlich war ich am Tag der Zuteilung nervös, weil der Kurs weiter fiel. Lerne aus meinem Fehler: Beim ersten Trade lieber konservativer Strike, weniger Prämie, mehr Sicherheit.

Market-Order. Ich habe einmal aus Versehen statt Limit eine Market-Order abgegeben. Bei US-Optionen kann das gefährlich werden, weil der Spread groß sein kann und du zu schlechtesten Konditionen verkaufst. Lektion: Limit ist Pflicht, immer.

Zwei Trades am selben Tag. Nach dem ersten erfolgreichen CSP wollte ich gleich noch einen machen. Habe das Underlying nicht gründlich geprüft, Earnings übersehen, drei Tage später kam der Bericht und die Option verzehnfachte sich kurzfristig. Hat sich am Ende noch gefangen, aber meine erste echte Schreckminute. Lektion: Pro Woche maximal so viele Trades, dass du jedes Setup gründlich prüfen kannst.

Was du nach dem ersten Trade machst

Lass den Trade einen kompletten Zyklus laufen. Schau ihn dir täglich an, aber greife nicht ein, solange das Setup nicht kippt. Schreibe Strike, Laufzeit, Prämie und deine Begründung in ein einfaches Journal. Wenn die Option verfällt oder zugeteilt wird, notier auch, was passiert ist und was du daraus lernst.

Erst wenn du drei oder vier komplette Zyklen hinter dir hast, denk an Skalierung. Mehrere Underlyings parallel, größere Positionen, kürzere Laufzeiten. Jeder Schritt einzeln, nicht alle auf einmal.

Zusammenfassung in einem Absatz

Optionen-Depot bei einem geeigneten Broker eröffnen, Optionen-Freigabe einholen, Cash für die Sicherheit bereitlegen. Underlying wählen, das du verstehst, das liquide ist und keine Earnings in den nächsten 35 Tagen hat. Strike 5 bis 10 % unter dem Kurs, Laufzeit 30 bis 45 Tage. In TWS Order-Ticket öffnen, SELL, 1 Kontrakt, LMT, Limit am Bid-Ask-Mittelwert, DAY. Margin-Vorschau prüfen, Transmit. Dann: Geduld haben, dokumentieren, lernen.

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Wenn du das System komplett lernen willst

Dieser Artikel ist die Praxis-Kurzfassung. Im Aktien- und Optionshandel-Kurs gehe ich Schritt für Schritt durch alle Module: Depot, Chartanalyse, Optionen, Strategie, Routine, Steuern. Modul 02 zeigt die komplette LYNX-Einrichtung, Modul 05 ist das Kern-Modul Optionen mit 10 Lektionen. Vor dem Kauf kannst du das Probe-Modul gratis holen oder ein 20-Min-Erstgespräch mit mir buchen.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Optionen sind komplex, Verluste bis hin zum Totalverlust der Sicherheit sind möglich. Bei Cash-Secured-Puts kann der maximale Verlust bei einer Insolvenz des Underlyings die gesamte Sicherheit ausmachen. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Entwicklungen. Entscheidungen triffst du eigenverantwortlich.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Er vermittelt Bildung zu Finanzmärkten und persönliche Erfahrungen des Autors. Entscheidungen triffst du eigenverantwortlich. An der Börse können Verluste entstehen, bis hin zum Totalverlust.