Bid, Ask, Spread, Mark: Optionspreise richtig lesen
Bid, Ask, Spread, Mark. Vier Begriffe, die in jeder Optionskette auftauchen, und die meisten Anfänger übersehen, wie viel Geld in diesen Zahlen steckt. Wer den Spread ignoriert, zahlt bei jedem Trade ein paar Prozent zusätzlich, ohne es zu merken. Wer ihn versteht, gewinnt sofort eine Effizienzstufe.
Hier kläre ich, was diese vier Begriffe bedeuten, wie sie zusammenhängen und wie du beim Order-Setup das Letzte aus jedem Trade rausholst.
Bid und Ask, das Grundgerüst
Bid ist der höchste Preis, den ein Käufer aktuell zu zahlen bereit ist. Wenn du verkaufen willst und sofort raus musst, bekommst du den Bid.
Ask ist der niedrigste Preis, zu dem ein Verkäufer aktuell bereit ist zu verkaufen. Wenn du kaufen willst und sofort drin sein musst, zahlst du den Ask.
Beispiel bei einer Option auf Apple:
Bid: 1,15 Dollar
Ask: 1,20 Dollar
Wenn du die Option jetzt sofort verkaufst, bekommst du 1,15. Wenn du sie sofort kaufst, zahlst du 1,20. Der Markt verlangt also 5 Cent für „Sofort-Service“. Diese 5 Cent sind der Spread.
Was der Spread konkret bedeutet
Spread ist der Unterschied zwischen Ask und Bid. Im Beispiel: 1,20 minus 1,15 = 0,05 Dollar pro Aktie. Bei einem Optionskontrakt für 100 Aktien sind das 5 Dollar Differenz.
Klingt nach wenig. Wird relevant, wenn du das im Jahresverlauf hochrechnest. Bei 50 Trades im Jahr und konsequent Market-Order statt Mid-Price-Limit-Order verbrennst du leicht 250 Dollar plus, einfach durch Bid-Ask-Inertia. Bei größeren Positionen entsprechend mehr.
Spread-Anteil an der Prämie: Wichtiger als der absolute Spread ist der relative. 5 Cent Spread auf 1,20 Ask sind etwa 4 %. Das ist die Marge des Market-Makers. Bei sehr liquiden Optionen (Apple, Microsoft, Nvidia, Index-ETFs wie SPY) liegt der relative Spread oft unter 2 %. Bei kleineren Aktien oder weit aus dem Geld liegenden Strikes können es 10 % oder mehr sein.
Faustregel: Wenn der Spread mehr als 10 % der Prämie ausmacht, lass den Trade. Du verlierst zu viel an Effizienz.
Mark, der ehrliche Mittelpreis
Mark ist der theoretische Mittelwert zwischen Bid und Ask. Im Beispiel: (1,15 + 1,20) / 2 = 1,175 Dollar. Manche Plattformen runden das auf den nächsten Cent (1,17 oder 1,18). Mark ist die Zahl, die deinen Kontoauszug widerspiegelt: Bewertung deiner Position passiert zum Mark, nicht zum Bid oder Ask.
Mark ist auch ein guter Startpunkt für deine Limit-Order. Wenn du eine Option zum Mark verkaufst, hast du eine 50:50-Chance, dass die Order gefüllt wird. Manchmal trifft sich der Markt im Spread, manchmal nicht. Wenn nicht, kannst du Stück für Stück Richtung Bid bewegen.
Wie du den Spread konkret nutzt
Drei Anwendungen für den Alltag.
1. Liquidität testen, bevor du handelst. Schau dir den Spread an, bevor du eine Order platzierst. Bei einem 4 %-Spread ist alles in Ordnung. Bei 15 % geh zu einem anderen Underlying oder einem näheren Strike. Bei 25 % ist das Underlying schlicht zu illiquide für Stillhalter-Strategien.
2. Limit zwischen Bid und Mark setzen. Wenn du verkaufen willst, beginnt deine Limit-Order beim Mark oder einen Cent unter dem Mark. Wenn das in 5 bis 10 Minuten nicht durchgeht, gehst du näher Richtung Bid. Aber niemals zum Bid direkt, das wäre die Mid-Price-Aufgabe.
3. Bei volatilen Märkten geduldig sein. Wenn der Spread plötzlich groß wird (in volatilen Phasen oder kurz nach Earnings), nicht panisch verkaufen. Warte, bis sich der Markt beruhigt. Nach 15 bis 30 Minuten ziehen sich die Spreads meist wieder zusammen.
Stolperfallen
Mark ist nicht der gehandelte Preis. Du siehst auf deiner Plattform eventuell Mark 1,175 stehen. Das heißt nicht, dass jemand zu diesem Preis gerade eine Option gehandelt hat. Mark ist eine Berechnung. Echter „Last Price“ ist der letzte tatsächlich ausgeführte Handel, der manchmal mehrere Minuten alt ist und nicht den aktuellen Markt zeigt.
Spreads weiten sich rund um Earnings. In den Stunden vor und nach einem Earnings-Bericht steigt die Unsicherheit, Market-Maker schützen sich mit größeren Spreads. Trade-Setups in dieser Zeit sind teurer. Mehr dazu im Artikel zu Risikomanagement.
Pre-Market und After-Hours haben miese Spreads. Außerhalb der regulären Handelszeiten ist die Liquidität schwach. Spreads sind oft 5- bis 10-mal so groß wie tagsüber. Stillhalter-Trades platziert man in den ersten zwei oder den letzten zwei Stunden der regulären US-Handelszeit, nicht außerhalb.
Ein konkretes Beispiel
Du willst einen Cash-Secured-Put auf Ford verkaufen. Strike 11, Laufzeit 30 Tage.
Bid: 1,15
Ask: 1,22
Mark: 1,185, also 1,18 oder 1,19 abhängig von der Plattform
Du setzt deine erste Limit-Order auf 1,19. Der Markt diskutiert. In 8 Minuten passiert nichts.
Du senkst auf 1,17. Nach weiteren 5 Minuten gefüllt. Du hast 17 statt 15 Dollar mehr Prämie kassiert als bei einer reinen Sofort-Verkaufs-Order zum Bid. Über 50 Trades sind das 100 Dollar zusätzlich, einfach weil du nicht ungeduldig warst.
Wo du das in TWS siehst
In der Trader Workstation siehst du in der Optionskette standardmäßig Bid, Ask, Last und Mark. Wenn Mark nicht angezeigt wird, kannst du die Spalte über Rechtsklick auf den Spaltenkopf einblenden. Auch Volume und Open Interest sind nützlich, um Liquidität auf einen Blick einzuschätzen: Über 1.000 Open Interest und 100 Tagesvolumen ist solide. Darunter wird’s eng.
Bei LYNX sind alle Marktdaten in der Standard-Subscription enthalten. Offenlegung: Affiliate-Link, du zahlst nichts extra.
Zusammenfassung
Bid ist Verkaufspreis, Ask ist Kaufpreis, Spread ist die Differenz, Mark ist der theoretische Mittelwert. Spread-Anteil an der Prämie sollte unter 10 % liegen, sonst Underlying wechseln. Limit-Orders zwischen Mark und Bid setzen, Geduld haben, niemals Market bei Optionen.
Weiterlesen
- Mein erster Cash-Secured-Put in TWS, wo Bid-Ask in der Praxis vorkommt
- Order-Types verstehen, warum Limit bei Optionen Pflicht ist
- Greeks erklärt, warum Theta und Delta wichtiger sind als der reine Optionspreis
- Depot eröffnen, was du beim LYNX-Setup für Marktdaten beachten musst
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Rechtlicher Hinweis
Bildung, keine Anlageberatung. Trading ist mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Entwicklungen.