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Call vs. Put: Wann welche Option sinnvoll ist

25. April 2026 · ⏱ 11 Min Lesezeit

Call vs. Put: Wann welche Option sinnvoll ist

Die ersten Stunden mit Optionen verbringen die meisten Anfänger damit, die Begriffe Call und Put durcheinanderzubringen. Welcher ist jetzt der für steigende Kurse, welcher für fallende? Und wer verdient was in welcher Situation?

Das Problem liegt selten am Verständnis. Es liegt daran, dass die Begriffe selbst wenig Hinweis auf ihre Bedeutung geben. „Call“ und „Put“ heißen weder „steigend“ noch „fallend“, sie haben englische Wurzeln und werden international einheitlich verwendet.

In diesem Artikel gehe ich die beiden Optionsarten systematisch durch. Was der Unterschied mechanisch ist, was er für Käufer und für Verkäufer (Stillhalter) bedeutet, und wann du welche in welcher Rolle einsetzt.

Die Grundlagen zu Optionen sind im Pillar Was ist eine Option? ausführlich erklärt. Wer das noch nicht gelesen hat, sollte zuerst dort anfangen.

Der Unterschied in einem Satz

Call-Option: Das Recht zu kaufen.
Put-Option: Das Recht zu verkaufen.

Mehr nicht. Alles andere leitet sich aus diesen zwei Definitionen ab.

Ein Call gibt dem Käufer das Recht, eine Aktie zu einem vorher festgelegten Preis (Strike) innerhalb einer bestimmten Zeit zu kaufen. Ein Put gibt dem Käufer das Recht, eine Aktie zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen.

Der Rest ist Ableitung. Wenn ich das Recht habe, zu einem festen Preis zu kaufen, ist diese Option wertvoll, wenn die Aktie steigt (weil ich sie günstiger kaufen kann, als sie am Markt kostet). Wenn ich das Recht habe, zu einem festen Preis zu verkaufen, ist diese Option wertvoll, wenn die Aktie fällt (weil ich sie teurer verkaufen kann, als sie am Markt kostet).

Daraus ergeben sich die typischen Assoziationen: Call = Kurs steigt, Put = Kurs fällt. Aber das ist eine Verkürzung, die nur aus Käufer-Sicht stimmt.

Das Alltagsbeispiel, damit es klick macht

Vergleiche dich mit zwei möglichen Rollen in einem Autohaus.

Rolle 1 (Call-Käufer): Du willst ein Auto kaufen, bist dir aber unsicher. Du schließt mit dem Händler einen Vertrag: „Ich zahle dir 500 Euro, und dafür reservierst du mir das Recht, dieses Auto in drei Monaten für 20.000 Euro zu kaufen.“

  • Wenn das Auto in drei Monaten auf dem Markt plötzlich 25.000 Euro wert ist, kaufst du es bei deinem Händler für 20.000 Euro und freust dich.
  • Wenn es 15.000 Euro wert ist, gehst du woanders kaufen. Die 500 Euro sind weg.

Das ist ein Call-Kauf.

Rolle 2 (Put-Käufer): Du willst dein altes Auto verkaufen, bist dir aber unsicher, ob sich der Markt hält. Du schließt mit einem Händler einen Vertrag: „Ich zahle dir 500 Euro, und dafür verpflichtest du dich, mein Auto in drei Monaten für 20.000 Euro abzunehmen, falls ich es dann verkaufen will.“

  • Wenn der Markt einbricht und dein Auto nur noch 15.000 Euro wert ist, verkaufst du es dem Händler für 20.000 Euro und freust dich.
  • Wenn der Markt stabil bleibt, verkaufst du dein Auto woanders zu 20.500 Euro. Die 500 Euro sind weg.

Das ist ein Put-Kauf.

An der Börse sind die Summen kleiner, aber die Logik ist identisch. Ein Call ist eine Versicherung gegen steigende Preise (beim Käufer) oder ein Verkaufs-Versprechen (beim Verkäufer). Ein Put ist eine Versicherung gegen fallende Preise (beim Käufer) oder ein Kauf-Versprechen (beim Verkäufer).

Wann Käufer Calls nutzen

Gekaufte Calls sind ein Instrument für Leute, die auf eine starke, schnelle Aufwärtsbewegung wetten. Sie bezahlen die Prämie, um an einem möglichen Anstieg überproportional zu partizipieren.

Beispiel: Eine Aktie steht bei 100 Euro. Du kaufst einen Call mit Strike 105 Euro, Laufzeit 30 Tage, Prämie 1,50 Euro.

  • Steigt die Aktie auf 120 Euro: Du kannst sie für 105 kaufen (Gewinn 15 Euro pro Aktie, minus 1,50 Prämie = 13,50 Euro Gewinn pro Aktie).
  • Bleibt die Aktie unter 105 Euro: Dein Call verfällt wertlos. Du verlierst die 1,50 Prämie.

Was ist problematisch?

Zeit. Aktien bewegen sich selten binnen 30 Tagen um 20 Prozent. Deine Wette muss innerhalb der Laufzeit aufgehen, nicht irgendwann.

Volatilität. Wenn die Aktie sich von 100 auf 106 bewegt, ist dein Call zwar „im Geld“ (über Strike), aber der Gewinn ist minimal, weil die Prämie schon eingepreist war.

Statistik. Etwa 70 bis 80 Prozent aller gekauften Calls verfallen wertlos. Die wenigen, die groß aufgehen, müssen die vielen Verluste der anderen ausgleichen. Das ist selten gut für Einsteiger.

Für die meisten Privatanleger ist das Kaufen von Calls keine gute Strategie.

Wann Käufer Puts nutzen

Gekaufte Puts sind ein Instrument für Leute, die entweder auf eine fallende Aktie wetten oder ein bestehendes Aktiendepot absichern wollen.

Die Absicherung ist der interessantere Use Case. Beispiel: Du hast 100 Aktien eines Unternehmens zu 100 Euro gekauft (Depotwert 10.000 Euro). Du befürchtest einen Kursrückgang über die nächsten drei Monate, willst aber nicht verkaufen, weil du das Unternehmen langfristig magst.

Du kaufst einen Put mit Strike 95 Euro, Laufzeit 90 Tage, Prämie zum Beispiel 3 Euro (insgesamt 300 Euro Kosten).

  • Fällt die Aktie auf 80 Euro: Du kannst sie trotzdem für 95 Euro verkaufen. Effektiver Verlust auf das Depot: nur 500 Euro (von 10.000 auf 9.500) minus 300 Euro Prämie = 800 Euro, statt 2.000 Euro ohne Put.
  • Bleibt die Aktie über 95 Euro: Dein Put verfällt wertlos. Du hast 300 Euro „Versicherungsprämie“ bezahlt, aber dein Depot liegt weiterhin bei 10.000 Euro oder mehr.

Das ist die klassische Put-Absicherung. Sie funktioniert wie eine Auto-Kaskoversicherung: Du zahlst regelmäßig eine Prämie, hoffst, sie nie zu brauchen, aber hast ein ruhiges Gewissen.

Für Einsteiger ist auch das Puts-Kaufen meist zu teuer, um dauerhaft rentabel zu sein. Der Markt preist Volatilität ein, und in ruhigen Zeiten zahlst du für Versicherungen, die du selten brauchst.

Wann Verkäufer Calls nutzen (Covered Call)

Hier wird es für Privatanleger wirklich interessant.

Wenn du Aktien besitzt und sie zu einem bestimmten höheren Preis verkaufen würdest, kannst du einen Call verkaufen. Du bekommst die Prämie sofort, und entweder verfällt der Call wertlos (du behältst Aktien und Prämie) oder du verkaufst deine Aktien zu deinem Wunschpreis (plus Prämie).

Beispiel: Du hast 100 Apple-Aktien, aktueller Kurs 180 Euro. Du würdest für 200 Euro verkaufen, aber nicht früher.

Du verkaufst einen Call mit Strike 200, Laufzeit 30 Tage, Prämie 2 Euro (200 Euro insgesamt).

  • Aktie bleibt unter 200: Call verfällt, du behältst Aktien und 200 Euro Prämie. Nächste Runde.
  • Aktie steigt über 200: Deine Aktien werden zu 200 verkauft, plus 200 Euro Prämie. Genau der Deal, den du wolltest.

Das ist der Covered Call. Details im Artikel Covered Call erklärt.

Warum „covered“? Weil du die Aktien bereits besitzt. Du verkaufst das Recht auf Aktien, die du wirklich hast. Das Risiko ist begrenzt.

Der Gegensatz wäre ein Naked Call: Du verkaufst einen Call, ohne die Aktien zu besitzen. Wenn die Aktie stark steigt, musst du sie zum Marktpreis kaufen und zum Strike verkaufen, was theoretisch unbegrenzte Verluste bedeutet. Für Einsteiger: Finger weg.

Wann Verkäufer Puts nutzen (Cash-Secured Put)

Das Gegenstück auf der Kauf-Seite.

Wenn du eine Aktie zu einem bestimmten niedrigeren Preis kaufen würdest, kannst du einen Put verkaufen. Du bekommst die Prämie sofort, und entweder verfällt der Put wertlos (du behältst nur die Prämie) oder du kaufst die Aktie zu deinem Wunschpreis (plus Prämie als Rabatt).

Beispiel: Du willst Apple bei 160 Euro kaufen, aktueller Kurs 180 Euro.

Du verkaufst einen Put mit Strike 160, Laufzeit 30 Tage, Prämie 1,50 Euro (150 Euro insgesamt). Du hinterlegst 16.000 Euro als Sicherheit (cash secured).

  • Aktie bleibt über 160: Put verfällt, du behältst 150 Euro Prämie, die 16.000 Euro werden frei. Nächste Runde.
  • Aktie fällt unter 160: Du kaufst 100 Aktien zu 160 Euro. Mit der Prämie ist dein Einstand effektiv 158,50 pro Aktie.

Das ist der Cash-Secured Put. Details im Artikel Cash-Secured Put erklärt.

Das Schöne: Du wirst bezahlt, während du auf deinen Wunschpreis wartest. Wenn der Preis kommt, bekommst du die Aktie zu dem Preis, den du sowieso zahlen wolltest. Wenn er nicht kommt, bekommst du trotzdem Geld.

Übersichtstabelle: Wer gewinnt wann?

Damit es auf einen Blick klar wird, hier die vier Grundsituationen:

Deine Rolle Was du machst Wer gewinnt, wenn Aktie steigt Wer gewinnt, wenn Aktie fällt
Call-Käufer Kauft das Recht zu kaufen Du Gegenpartei
Call-Verkäufer (Stillhalter) Verkauft das Recht zu kaufen Gegenpartei Du
Put-Käufer Kauft das Recht zu verkaufen Gegenpartei Du
Put-Verkäufer (Stillhalter) Verkauft das Recht zu verkaufen Du Gegenpartei

Die zwei interessanten Spalten: Call-Verkäufer (Covered Call) gewinnt, wenn die Aktie nicht stark steigt. Put-Verkäufer (Cash-Secured Put) gewinnt, wenn die Aktie nicht stark fällt.

In ruhigen und leicht steigenden Märkten, also in den meisten Marktphasen, sind das beide gute Positionen. Das ist einer der Gründe, warum Stillhalten langfristig funktioniert.

Die häufige Verwirrung: „Der Kurs steigt, was passiert mit meiner Option?“

Zur Klärung, weil das immer wieder durcheinandergeht:

Der Kurs steigt.

  • Call-Käufer: Freut sich. Option gewinnt.
  • Call-Verkäufer (Stillhalter): Bangt. Option gewinnt gegen ihn.
  • Put-Käufer: Ärgert sich. Option verliert.
  • Put-Verkäufer (Stillhalter): Freut sich. Option verliert weg, Prämie bleibt.

Der Kurs fällt.

  • Call-Käufer: Verliert. Option wird wertlos.
  • Call-Verkäufer (Stillhalter): Freut sich. Option verliert weg, Prämie bleibt.
  • Put-Käufer: Freut sich. Option gewinnt.
  • Put-Verkäufer (Stillhalter): Bangt. Option gewinnt gegen ihn.

Der Trick zum Merken: Der Käufer freut sich, wenn der Kurs in die „gewettete“ Richtung geht. Der Verkäufer (Stillhalter) freut sich, wenn nichts Besonderes passiert.

Welche Option ist „besser“?

Diese Frage wird oft gestellt und hat keine eindeutige Antwort.

Für Käufer: Keine der beiden ist strukturell besser. Statistisch verlieren beide Käufer-Seiten langfristig, weil der Zeitwert gegen sie arbeitet.

Für Verkäufer (Stillhalter): Auch keine strukturell besser. Aber je nach Marktphase sind unterschiedliche Strategien effektiv. In steigenden Märkten dominiert der Covered Call, in seitwärts gerichteten Märkten beide gleichermaßen, in fallenden Märkten kann der Cash-Secured Put problematisch sein (weil du zugeteilt wirst zu ungünstigen Preisen).

Meine persönliche Vorliebe: Cash-Secured Puts, wenn ich eine Aktie neu aufbauen will. Covered Calls, wenn ich eine Aktie schon habe und sie irgendwann höher verkaufen würde. In der Praxis wechseln sich die beiden in der sogenannten Wheel-Strategie ab: CSP → Zuteilung → CC → Verkauf → CSP.

Häufige Fragen

Kann ich gleichzeitig einen Call und einen Put auf dieselbe Aktie haben?
Ja, das nennt sich „Straddle“ (wenn beide den gleichen Strike haben) oder „Strangle“ (unterschiedliche Strikes). Fortgeschrittene Strategien für spezielle Marktsituationen, nicht für Einsteiger.

Was passiert, wenn meine Option am Stichtag genau am Strike steht?
Das ist der sogenannte „at the money“-Fall. Bei amerikanischen Optionen (die meisten US-Optionen) entscheidet der Käufer, ob er ausübt. Meistens verfällt sie einfach, weil sie keinen wirtschaftlichen Vorteil bringt.

Kann ich eine Option vorzeitig ausüben?
Amerikanische Optionen: Ja, jederzeit bis zum Laufzeitende. Europäische Optionen: Nein, nur am Laufzeitende. US-Aktien-Optionen sind praktisch immer amerikanisch.

Was ist eine „long“ oder „short“ Position?
Long = du hast die Option gekauft. Short = du hast sie verkauft (Stillhalter). Eine „short put“-Position ist also ein Cash-Secured Put, eine „short call“-Position ein (ggf. covered) Call.

Können Calls und Puts kombiniert werden?
Ja, in sogenannten Spreads oder Kombinationen. Fortgeschrittene Strategien. Einsteiger sollten erst die einfachen Versionen beherrschen.

Wie teuer sind Options-Prämien?
Abhängig von Strike-Abstand, Laufzeit und Volatilität. Typische Einzelkontrakte (100 Aktien) bewegen sich zwischen 0,50 und 500 Euro Prämie. Bei großen Aktien und hoher Volatilität auch deutlich mehr.

Was ist der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen?
Optionen werden an regulierten Börsen gehandelt (direkte Kontrakte zwischen zwei Marktteilnehmern). Optionsscheine sind Bankprodukte, die Optionen nachbilden, aber gegen die Bank gehandelt werden. Für ernsthaftes Stillhalten brauchst du echte Optionen, keine Optionsscheine.

Im Kurs gehen wir tiefer

Modul 05 des Kurses („Optionshandel“) erklärt Put und Call systematisch, dann das Verkaufen von beiden mit Schließen, Rollen, Take Profit und Stop Loss. Modul 09 zeigt die strategischen Kombinationen wie Wheel, Exit 80/20 und Buy & Call.

Zum Kurs

Vor dem Kauf: kostenloses 20-Min-Erstgespräch oder Probe-Modul.

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Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Optionen ist mit erheblichen Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.

Wortanzahl: ca. 1.800 Wörter

Schreibstil: Kalibrierte Voice. Erklärungen bewusst mit dem Auto-Beispiel, weil es den Merkeffekt für Einsteiger deutlich verbessert.

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SEO-Keywords: „call put unterschied“ in Titel, H1, ersten Absätzen. „call option vs put option“, „was ist besser call oder put“ natürlich im Text.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Er vermittelt Bildung zu Finanzmärkten und persönliche Erfahrungen des Autors. Entscheidungen triffst du eigenverantwortlich. An der Börse können Verluste entstehen, bis hin zum Totalverlust.