Greeks bei Optionen einfach erklärt: Delta, Gamma, Theta, Vega, Rho
Die griechischen Buchstaben bei Optionen klingen am Anfang nach Mathematik-Vorlesung. Sind sie nicht. Jeder „Greek“ beschreibt nur, wie sich der Optionspreis verändert, wenn sich eine bestimmte Sache am Markt ändert. Wenn du das einmal verstanden hast, hilft dir das bei jedem Trade-Setup.
In meinem ersten Optionsjahr habe ich die Greeks links liegen gelassen, weil sie kompliziert wirkten. Heute schaue ich vor jedem Trade auf zwei davon. Welche das sind und warum die anderen drei ehrlicherweise weniger relevant sind, klärt dieser Artikel.
Was die Greeks überhaupt sind
Eine Option hat einen Preis. Der ändert sich, wenn sich der Aktienkurs bewegt, wenn die Zeit vergeht, wenn die Volatilität steigt oder fällt. Die Greeks sind Kennzahlen, die genau diese Veränderungen messen. Jeder Greek antwortet eine konkrete Frage:
- Delta antwortet: Wie viel ändert sich der Optionspreis, wenn die Aktie 1 Dollar steigt oder fällt?
- Gamma antwortet: Wie schnell ändert sich Delta, wenn die Aktie sich bewegt?
- Theta antwortet: Wie viel verliert die Option pro Tag durch reinen Zeitverfall?
- Vega antwortet: Wie viel ändert sich der Optionspreis, wenn die Volatilität um 1 % steigt oder fällt?
- Rho antwortet: Wie viel ändert sich der Optionspreis, wenn der Zinssatz sich bewegt?
So weit die Theorie. Wichtig ist aber, welche dieser Zahlen in der Praxis bei Stillhalter-Trades zählen. Das sind zwei: Delta und Theta. Die anderen drei sind nicht egal, aber für 90 % der Anfänger-Trades nicht entscheidend.
Delta, der wichtigste Greek
Delta ist die wichtigste Zahl, weil sie zwei Dinge gleichzeitig sagt:
1. Wie sensibel der Optionspreis auf Kursbewegungen reagiert. Eine Option mit Delta 0,30 verändert sich um 0,30 Dollar, wenn die Aktie 1 Dollar steigt. Eine Option mit Delta 0,80 fast doppelt so stark. Je näher der Strike am aktuellen Kurs liegt, desto höher der absolute Delta-Wert.
2. Eine grobe Wahrscheinlichkeit, dass die Option im Geld endet. Ein Put mit Delta 0,30 hat ungefähr 30 % Wahrscheinlichkeit, am Verfall im Geld zu sein. Das ist nicht mathematisch sauber, aber für Stillhalter eine sehr nützliche Daumenregel.
Beim Cash-Secured Put gilt: Niedrigeres Delta = niedrigere Zuteilungs-Wahrscheinlichkeit = niedrigere Prämie. Höheres Delta = höhere Zuteilungs-Wahrscheinlichkeit = höhere Prämie. Das ist der zentrale Trade-off, den du als Stillhalter steuerst.
Für Anfänger reicht eine Faustregel: Wähle Strikes mit Delta zwischen 0,15 und 0,30. Das gibt anständige Prämien bei überschaubarer Zuteilungs-Wahrscheinlichkeit. Mehr zur konkreten Strike-Wahl in Strike, Laufzeit, Prämie.
Theta, dein Verbündeter als Stillhalter
Theta misst Zeitverfall. Eine Option verliert jeden Tag einen kleinen Teil ihres Werts, einfach weil weniger Zeit bis zum Verfall übrig ist. Genau diesen Verfall kassierst du als Stillhalter.
Wenn du eine Option mit Theta 0,03 verkaufst, verdient deine Position theoretisch jeden Tag rund 3 Dollar pro Kontrakt allein durch Zeitverfall. Vorausgesetzt, der Aktienkurs und die Volatilität bleiben stabil. Genau dieses passive „Geld pro Tag durch Warten“ ist das Geschäftsmodell Stillhalter.
Theta ist nicht linear. In den letzten 30 Tagen vor Verfall beschleunigt es sich, in den letzten 7 Tagen explodiert es regelrecht. Deshalb sind Laufzeiten zwischen 30 und 45 Tagen für Stillhalter so beliebt: Du erwischst den steileren Teil der Theta-Kurve, ohne in das Last-Week-Drama zu rutschen.
Gamma, Vega und Rho, was du wissen musst
Gamma ist Delta-zweiter-Ordnung. Sagt dir, wie schnell Delta sich ändert, wenn die Aktie sich bewegt. Hohes Gamma heißt: kleine Kursbewegung verändert Delta stark. Das passiert vor allem nahe am Geld und kurz vor Verfall. Praktisch relevant nur, wenn du sehr kurze Laufzeiten handelst oder Strikes nah am Kurs.
Vega misst die Reaktion auf Volatilität. Wenn die implizite Volatilität (IV) steigt, werden alle Optionen teurer. Das kann gegen dich laufen, wenn du als Stillhalter verkauft hast und der Markt nervös wird. Vega ist relevant rund um Earnings-Termine, weil dort die IV regelmäßig hochgeht und nach dem Bericht stark fällt. Anfänger-Lektion: Vor Earnings keine kurzlaufenden Optionen verkaufen, weil dich der IV-Anstieg ärgert.
Rho misst die Reaktion auf Zinsen. Bei kurzlaufenden Optionen praktisch null. Bei LEAPS (Optionen mit über einem Jahr Laufzeit) wird Rho relevant. Für Stillhalter mit 30 bis 45 Tagen Laufzeit kannst du Rho ignorieren.
Wo du die Greeks in TWS findest
In der Trader Workstation rechtsklick auf den Spaltenkopf in der Optionskette. Es öffnet sich ein Menü, in dem du Delta, Gamma, Theta, Vega, Rho als zusätzliche Spalten einblenden kannst. Ich habe Delta und Theta dauerhaft eingeblendet, die anderen drei nur situativ.
Bei LYNX bekommst du die Greeks ohne Aufpreis dazu, weil sie zur Standard-Marktdaten-Subscription gehören. Andere Broker rechnen Marktdaten manchmal extra ab.
Offenlegung: LYNX-Link ist mein Affiliate-Link. Wenn du darüber ein Konto eröffnest, bekomme ich eine kleine Provision. Du zahlst nichts extra. Ich empfehle nur, was ich selbst nutze.
Praktische Anwendung in einem Satz
Bei einem Cash-Secured Put: Strike so wählen, dass Delta zwischen 0,15 und 0,30 liegt. Das gibt eine Prämie, die sich lohnt, ohne dass die Zuteilungs-Wahrscheinlichkeit absurd hoch wird.
Bei einem Covered Call: Strike so wählen, dass Delta zwischen 0,15 und 0,30 liegt. Gleiche Logik, andere Richtung.
Bei der Laufzeit: 30 bis 45 Tage, weil Theta dann am produktivsten ist, ohne dass Gamma dich kurz vor Verfall überrascht.
Vor Earnings: keine neuen Trades öffnen, weil Vega beim IV-Crush gegen dich arbeiten kann.
Was du erstmal ignorieren kannst
Vola-Skew, Greeks-Hedging, Delta-neutrale Portfolios, Gamma-Scalping. Alles legitime Konzepte, aber für die ersten ein bis zwei Jahre Stillhalter komplett irrelevant. Wer am Anfang versucht, alle fünf Greeks gleichzeitig zu balancieren, verheddert sich mehr als er gewinnt.
Der ehrliche Pfad: Anfangen mit Delta für Strike-Wahl und Theta zur Bestätigung, dass Zeitverfall arbeitet. Wenn das nach 20 bis 30 Trades sitzt, kannst du dich tiefer mit Vega beschäftigen, vor allem rund um Earnings. Den Rest lernst du, wenn du ihn brauchst, nicht vorher.
Zusammenfassung in drei Sätzen
Delta sagt dir, wie wahrscheinlich eine Option im Geld endet und wie sehr ihr Preis auf Aktienbewegungen reagiert. Theta sagt dir, wie viel Geld du als Stillhalter pro Tag durch reinen Zeitverfall verdienst. Alles andere kannst du am Anfang ignorieren, ohne dass dir das schadet.
Weiterlesen
- Was ist eine Option, das Fundament unter den Greeks
- Strike, Laufzeit, Prämie, wie du Delta praktisch in der Strike-Wahl nutzt
- Cash-Secured Put, wo Delta und Theta zusammenarbeiten
- Mein erster Cash-Secured-Put in TWS, die Praxis-Anleitung
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Rechtlicher Hinweis
Bildung, keine Anlageberatung. Optionen sind komplex, Verluste bis zum Totalverlust möglich. Stefan Czysz ist kein zugelassener Anlageberater im Sinne des WpHG.