Kurs starten
Stillhalter

Cash-Secured Put: Die Einstiegsstrategie der Profis

25. April 2026 · ⏱ 9 Min Lesezeit

Cash-Secured Put: Die Einstiegsstrategie der Profis

Wenn du eine Aktie kaufen willst, aber nicht zum aktuellen Preis, hast du im Grunde zwei Möglichkeiten. Du wartest und hoffst, dass der Kurs fällt. Oder du nutzt einen Cash-Secured Put.

Der Unterschied: Mit der zweiten Methode bekommst du dafür bezahlt, dass du wartest. Du sagst dem Markt: „Ich bin bereit, diese Aktie zu meinem Wunschpreis zu kaufen. Solange das nicht passiert, zahl mir eine Prämie für das Versprechen.“ Wenn die Aktie auf deinen Wunschpreis fällt, bekommst du sie und behältst die Prämie. Wenn nicht, bekommst du sie nicht, behältst aber die Prämie.

In beiden Fällen verdienst du. Das macht den Cash-Secured Put zu einer der beliebtesten Strategien erfahrener Privatanleger.

Was ein Cash-Secured Put genau ist, wie er mechanisch funktioniert, ein Beispiel einmal durchgerechnet, welche Szenarien möglich sind, welche Aktien sich eignen und welche Fehler du vermeidest, der Reihe nach.

Was ein Cash-Secured Put ist

Die kurze Definition: Du verkaufst eine Put-Option auf eine Aktie und hinterlegst gleichzeitig genug Cash auf deinem Konto, um die Aktien zum Strike-Preis zu kaufen, falls du zugeteilt wirst.

„Cash-Secured“ heißt: bar gesichert. Du verkaufst nicht ins Blaue. Das Geld, mit dem du die Aktien im Zweifel kaufen müsstest, ist bereits da. Damit ist das Risiko klar begrenzt: Im schlimmsten Fall bekommst du Aktien, die du eigentlich auch kaufen wolltest, zum Wunschpreis.

Im Gegensatz zu einem Naked Put (ohne Cash-Deckung) ist das Risiko also nicht „höher als das eingesetzte Kapital“, sondern höchstens „so hoch wie der Strike mal 100″.

Mehr zum Hintergrund von Optionen findest du im Pillar Was ist eine Option? und zum Stillhalten allgemein im Artikel Was ist ein Stillhaltergeschäft?.

Die Logik in einem Alltagsbeispiel

Stell dir vor, du willst ein Auto kaufen. Es steht beim Händler für 30.000 Euro. Du findest es zu teuer. Dein Wunschpreis: 27.000 Euro.

Du gehst zum Händler und sagst: „Ich biete dir einen Deal. Ich verspreche dir, dieses Auto in den nächsten 30 Tagen für 27.000 Euro zu kaufen, wenn du mich anrufst. Ob du anrufst oder nicht, liegt bei dir. Für dieses Versprechen zahlst du mir 500 Euro. Außerdem habe ich die 27.000 Euro auf meinem Konto bereit, damit du sicher sein kannst, dass ich liefern kann.“

Das ist ein Cash-Secured Put.

  • Auto = die Aktie, die du kaufen willst
  • 27.000 Euro = Strike-Preis (dein Wunsch-Kaufpreis)
  • 30 Tage = Laufzeit
  • 500 Euro = Prämie (die du als Verkäufer der Option kassierst)
  • 27.000 Euro auf dem Konto = Cash-Deckung

Was passiert nun?

Wenn der Händler in 30 Tagen anruft („verkauf mir das Auto zu 27.000 Euro“): Du kaufst es. Effektiver Preis: 26.500 Euro, weil du die 500 Euro Prämie schon hast.

Wenn er nicht anruft (zum Beispiel weil er das Auto in der Zwischenzeit für 32.000 Euro verkauft hat): Du behältst die 500 Euro und musst nichts kaufen.

Beides ist gut für dich. Genau das ist der Reiz.

Ein Beispiel mit Zahlen

Fiktive Aktie „Beispiel AG“. Aktueller Kurs: 100 Euro. Du würdest sie gerne kaufen, aber lieber zu 95 Euro.

Du verkaufst einen Cash-Secured Put mit folgenden Eckdaten:

Parameter Wert
Underlying Beispiel AG
Strike 95 €
Laufzeit 30 Tage
Prämie 2,00 € pro Aktie · 200 € pro Kontrakt
Cash-Deckung 95 € × 100 = 9.500 € auf dem Konto

Du kassierst sofort 200 Euro auf dein Konto. Die 9.500 Euro sind als Sicherheit geblockt. Du kannst sie in dieser Zeit nicht für andere Trades verwenden.

Drei mögliche Ausgänge

Szenario A: Aktie bleibt über 95 Euro.
Die Option verfällt wertlos. Niemand verkauft seine Aktien zu 95 Euro, wenn er am Markt mehr bekommt.

Ergebnis: Du behältst die 200 Euro Prämie und bekommst keine Aktien. Dein Kapital ist wieder frei für die nächste Runde. Rendite auf gebundene Cash-Reserve: 200 / 9.500 = 2,1 Prozent in 30 Tagen.

Was du als nächstes tust: Neue Runde. Du kannst direkt einen neuen Cash-Secured Put verkaufen.

Szenario B: Aktie fällt auf 92 Euro (Zuteilung).
Du wirst zugeteilt. Du kaufst die 100 Aktien zu 95 Euro (= 9.500 Euro).

Ergebnis:

  • Aktien-Einstand offiziell: 95 €
  • Effektiver Einstand inklusive Prämie: 93 € pro Aktie (95 − 2)
  • Aktueller Marktwert: 9.200 €
  • Buchverlust: 100 € (statt 300 €, ohne Prämie)

Wichtig: Du sitzt jetzt auf einer Aktienposition, die du wolltest, zu einem Preis, der günstiger ist als am Tag deiner Eröffnung.

Was du als nächstes tust: Du kannst nun einen Covered Call auf die Position verkaufen und weitere Prämie kassieren, siehe Wheel-Strategie weiter unten.

Szenario C: Aktie crasht auf 70 Euro.
Du wirst zugeteilt zu 95 Euro, obwohl die Aktie nur noch 70 Euro wert ist.

Ergebnis:

  • Du kaufst zu 95 Euro (effektiv 93 Euro mit Prämie)
  • Marktwert: 7.000 €
  • Buchverlust: 2.300 €

Das ist das echte Risiko des Cash-Secured Put. Die Prämie deckt nur kleinere Bewegungen ab. Bei einem Crash hast du dieselben Verluste wie jemand, der die Aktie direkt gekauft hätte, minus die Prämie.

Konsequenz: Du solltest niemals einen CSP auf eine Aktie verkaufen, die du nicht auch zum normalen Preis kaufen würdest. Das ist die wichtigste Regel.

Welche Aktien sich eignen

Gut geeignet:

  • Solide Blue Chips, die du langfristig halten würdest (Apple, Microsoft, Coca-Cola und Ähnliche)
  • ETFs auf große Indizes (SPY, QQQ, IWM), sehr liquide, weniger Idiosynkrasie
  • Aktien, die du sowieso aufbauen wolltest. Der CSP wird zur Pflicht-Sparrate mit Bonus.
  • Aktien mit liquidem Optionsmarkt (enge Spreads, hoher Traffic)

Weniger geeignet:

  • Hochvolatile Story-Aktien: hohe Prämie, aber wenn der Hype kippt, sitzt du auf einer Position, die du nie wolltest
  • Aktien vor wichtigen Terminen (Earnings, FDA, Quartalszahlen): Über-Nacht-Bewegungen von 10 bis 20 Prozent sind möglich
  • Penny Stocks: Liquidität zu gering, Spreads zu groß
  • Aktien, die du absolut nicht haben willst: Ein Put ist eine ernsthafte Verpflichtung. Wenn du die Aktie nicht willst, mach den Trade nicht.

Strike und Laufzeit

Strike: 5 bis 10 Prozent unter dem aktuellen Kurs.

Zu nah am Kurs (zum Beispiel 1 Prozent darunter): hohe Prämie, aber sehr wahrscheinliche Zuteilung. Wenn das so geplant ist, in Ordnung, sonst suboptimal.

Zu weit weg (zum Beispiel 20 Prozent darunter): sehr niedrige Prämie. Lohnt kaum.

Die 5-bis-10-Prozent-Regel ist ein guter Kompromiss aus spürbarer Prämie und realistischer Wahrscheinlichkeit, nicht zugeteilt zu werden.

Laufzeit: 30 bis 45 Tage.

Genau wie beim Covered Call: der Sweet Spot, in dem der Zeitwertverfall am stärksten arbeitet.

Gewinnmitnahme. Erfahrene Stillhalter schließen den Put oft frühzeitig (bei 50 bis 75 Prozent der Prämie als Gewinn). Das nimmt Restrisiko und ermöglicht eine schnellere nächste Runde.

Wann ein CSP passt und wann nicht

Passt, wenn:

  • Du eine bestimmte Aktie kaufen willst, aber günstiger
  • Du Cash auf dem Konto hast, das gerade nichts tut
  • Du in einem seitwärts laufenden oder leicht fallenden Markt bist
  • Du Prämie kassieren willst, ohne aktiv zu traden

Passt nicht, wenn:

  • Du das Geld kurzfristig brauchst (es ist gebunden)
  • Du eine Aktie aussuchst, die du nicht wirklich haben willst
  • Du in einer stark fallenden Marktphase bist und ein hohes Crash-Risiko siehst
  • Du weniger als etwa 5.000 Euro Kapital hast (zu wenig für sinnvolle Diversifikation)

Die typischen Fehler

Strike zu nah aus Gier. Hohe Prämie verlockt. Du wählst Strike 99 Euro statt 95 Euro. Wahrscheinlichkeit der Zuteilung: hoch. Wenn du eigentlich gar nicht zuteilen wolltest: schlechtes Geschäft.

Stillhalten auf eine Aktie, die du nicht haben willst. Die Aktie hat 20 Prozent Volatilität, also fette Prämie. Aber sie ist eine Hype-Aktie ohne Substanz. Wenn der Hype kippt, fällt sie 30 Prozent, und du sitzt auf einer Position, die du nicht haben wolltest.

Mehrere CSPs auf einmal in derselben Branche. Du verkaufst Puts auf Apple, Microsoft, Google. Klingt nach Diversifikation, ist aber alles Tech. Wenn der Sektor fällt, werden alle drei zugeteilt, und dein Cash reicht nur für eine Position.

Earnings ignorieren. Wenn ein Quartalsbericht in der Laufzeit deines Puts liegt, kann ein Sprung von 10 bis 15 Prozent über Nacht passieren. Erfahrene Stillhalter setzen Puts so, dass sie vor dem Earnings-Termin auslaufen.

Bei Verlust nicht reagieren. Die Aktie fällt unter den Strike. Statt eine Regel zu haben („Bei X Prozent Verlust schließe ich oder rolle“), wird gehofft. Disziplin schlägt Hoffnung, immer.

Das Wheel: CSP plus Covered Call

Eine der elegantesten Erweiterungen ist das Wheel.

So funktioniert es:

1. Du verkaufst einen Cash-Secured Put auf eine Aktie, die du haben willst.
2a. Aktie bleibt über Strike: Du behältst die Prämie. Zurück zu Schritt 1.
2b. Aktie fällt unter Strike: Du wirst zugeteilt. Du besitzt jetzt 100 Aktien.
3. Du verkaufst einen Covered Call auf diese 100 Aktien.
4a. Aktie bleibt unter Strike des Calls: Du behältst Aktien plus Prämie. Zurück zu Schritt 3.
4b. Aktie steigt über Strike: Du verkaufst die Aktien zum Wunschpreis, mit Gewinn. Zurück zu Schritt 1.

Das Ergebnis: Du kassierst kontinuierlich Prämien, baust dabei Aktienpositionen auf und reduzierst sie zu Gewinnpreisen. Das System läuft im Kreis. Daher der Name Wheel.

Das Wheel ist eine der ältesten und solidesten Stillhalter-Strategien, weil sie beide Szenarien (Markt steigt / Markt fällt) profitabel macht.

Häufig gestellte Fragen

Wieso heißt es „cash secured“?
Weil du das gesamte Geld, mit dem du die Aktien im Zuteilungsfall kaufen müsstest, als Sicherheit auf deinem Konto bereithältst. Im Gegensatz zu einem Naked Put, bei dem das nicht der Fall ist.

Bekomme ich die Prämie sofort?
Ja. Die Prämie wird mit Vertragsabschluss deinem Konto gutgeschrieben. Auch wenn du am Ende zugeteilt wirst, bleibt die Prämie dein.

Kann ich den Put vorzeitig schließen?
Ja. Du kannst den Put zu jedem Zeitpunkt zurückkaufen. Wenn du ihn zu einem niedrigeren Preis zurückkaufst als du ihn verkauft hast, hast du Gewinn realisiert.

Was passiert, wenn ich zugeteilt werde?
Dein Broker zieht das Geld ab und bucht dir die 100 Aktien ein. Du besitzt sie jetzt zum Strike-Preis. Du kannst sie behalten, verkaufen oder einen Covered Call darauf machen.

Kann ich CSPs auf ETFs machen?
Ja, sehr gerne. Auf SPY, QQQ und ähnliche ETFs gibt es liquide Optionsmärkte. Für viele Einsteiger sogar besser als Einzelaktien.

Wie viel Kapital brauche ich mindestens?
Realistisch: 5.000 Euro als absolutes Minimum. Bei einer 50-Euro-Aktie bindet ein einziger Put schon 5.000 Euro. Mit weniger ist sinnvolle Diversifikation kaum möglich.

Was passiert, wenn der Kurs einen Tag vor Verfall stark fällt?
Du wirst sehr wahrscheinlich zugeteilt. Wenn du das nicht möchtest, kannst du den Put vorher schließen (oft mit kleinem Verlust) oder „rollen“ (in eine spätere Laufzeit verschieben).

Werden Optionsprämien wie Aktien besteuert?
In Deutschland: Ja, als Kapitalerträge nach Abgeltungssteuer (25 Prozent plus Soli). Mehr im Artikel Abgeltungssteuer auf Aktien.

Wenn du es systematisch lernen willst

Im Kurs „Aktien- & Optionshandel“ ist ein komplettes Modul ausschließlich Cash-Secured Puts gewidmet, inklusive Aktienauswahl, Strike-Wahl, Laufzeit, Roll-Regeln und einer detaillierten Anleitung zum Wheel.

Zum Kurs

Vor dem Kauf: kostenloses 20-Min-Erstgespräch oder Probe-Modul.

Weiterlesen

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Optionen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für zukünftige.

Wortanzahl: ca. 2.000 Wörter

Schreibstil: Aktualisiert auf kalibrierte Voice.

Interne Links: 5 zu verwandten Artikeln, 1 zur Kursseite

Bilder:
1. Hero-Bild
2. Auto-Analogie als Diagramm
3. Tabelle der Eckdaten
4. Drei-Szenarien-Visualisierung
5. Wheel-Diagramm (Pfeile im Kreis)

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Er vermittelt Bildung zu Finanzmärkten und persönliche Erfahrungen des Autors. Entscheidungen triffst du eigenverantwortlich. An der Börse können Verluste entstehen, bis hin zum Totalverlust.