Covered Call: Monatliche Prämien auf eigene Aktien
Covered Call: Monatliche Prämien auf eigene Aktien
Wer Aktien hält, kennt das Gefühl: Tag für Tag liegt das Depot da, manchmal grün, manchmal rot. Aber zwischen Dividendentermin und Verkauf passiert eigentlich nichts. Das Kapital arbeitet, aber langsam.
Der Covered Call ändert das. Er macht aus einer passiven Aktienposition eine aktive Einnahmequelle, ohne dass du die Aktie aufgeben musst. Die Idee: Du verkaufst dem Markt das Recht, dir deine Aktien zu einem höheren Preis abzunehmen, und kassierst dafür sofort eine Prämie. Egal, was der Kurs danach macht: Die Prämie gehört dir.
In diesem Artikel erkläre ich, was ein Covered Call genau ist, wie er mechanisch funktioniert, ein konkretes Beispiel mit echten Zahlen, wann er sich lohnt und wann nicht, welche Aktien sich eignen und welche Fehler du vermeidest.
Was ein Covered Call ist
Die kurze Definition: Du besitzt 100 Aktien (oder ein Vielfaches davon). Du verkaufst eine Call-Option auf diese Aktien. Du kassierst sofort eine Prämie. Im Gegenzug verpflichtest du dich, die Aktien zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen, falls der Kurs darüber steigt.
„Covered“ heißt: gedeckt. Du verkaufst nicht ins Blaue, du hältst die zugrundeliegenden Aktien bereits in deinem Depot. Damit ist das Risiko klar begrenzt: Im schlimmsten Fall musst du deine Aktien verkaufen, bekommst dafür aber den vereinbarten Strike-Preis plus die Prämie.
Im Gegensatz zu einem Naked Call (ohne Aktiendeckung) ist das Risiko also nicht „theoretisch unbegrenzt“, sondern überschaubar.
Mehr zum Hintergrund von Optionen findest du im Pillar Was ist eine Option? und zum Stillhalten allgemein im Artikel Was ist ein Stillhaltergeschäft?.
Die Logik in einem Alltagsbeispiel
Stell dir vor, du besitzt eine Eigentumswohnung im Wert von 300.000 Euro. Du bist nicht aktiv am Verkaufen interessiert, aber wenn jemand dir 350.000 Euro bietet, würdest du verkaufen.
Du gehst zu einem Makler und sagst: „Ich biete jedem Interessenten an, dass er meine Wohnung in den nächsten 30 Tagen für 350.000 Euro kaufen kann. Wenn er das Recht haben will, soll er mir 1.000 Euro zahlen. Ob er kauft oder nicht, ist mir egal. Die 1.000 Euro gehören in jedem Fall mir.“
Das ist ein Covered Call.
- Wohnung = deine Aktien
- 350.000 Euro = Strike-Preis (dein Wunsch-Verkaufspreis)
- 30 Tage = Laufzeit
- 1.000 Euro = Prämie
Was passiert nun?
Wenn niemand zu 350.000 Euro kauft (der Marktpreis nicht steigt): Du behältst Wohnung und 1.000 Euro. In 30 Tagen wiederholst du das Geschäft.
Wenn jemand zu 350.000 Euro kauft: Du verkaufst die Wohnung zu deinem Wunschpreis und behältst zusätzlich die 1.000 Euro.
Beides ist gut für dich. Genau das ist der Reiz.
Ein Beispiel mit Zahlen
Fiktive Aktie „Beispiel AG“. Aktueller Kurs: 100 Euro. Du besitzt 100 Aktien, die du zu einem Einstandspreis von 95 Euro gekauft hast.
Du denkst: „Wenn die Aktie auf 110 Euro steigt, würde ich gerne verkaufen. Bis dahin will ich laufende Prämien.“
Du verkaufst einen Covered Call mit folgenden Eckdaten:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Bestand | 100 Aktien zu 95 € Einstand |
| Kontrakt | 1 Call |
| Strike | 110 € |
| Laufzeit | 30 Tage |
| Prämie | 1,50 € pro Aktie · 150 € pro Kontrakt |
Du kassierst sofort 150 Euro auf dein Konto.
Drei mögliche Ausgänge
Es gibt nicht nur „gut oder schlecht“, sondern drei mögliche Szenarien, jedes mit klarer Konsequenz.
Szenario A: Aktie bleibt unter 110 Euro.
Die Option verfällt wertlos. Niemand übt sein Kaufrecht zu 110 Euro aus, weil er die Aktie billiger am Markt bekommt.
Ergebnis: Du behältst deine 100 Aktien plus 150 Euro Prämie. Rendite auf den Aktienwert (ca. 10.000 Euro): 1,5 Prozent in 30 Tagen. Aufs Jahr hochgerechnet wären das theoretisch 18 Prozent. Realistisch weniger, weil nicht jede Runde aufgeht.
Was du als nächstes tust: Neue Runde. Verkaufe einen weiteren Covered Call für die nächsten 30 Tage.
Szenario B: Aktie steigt auf 115 Euro (Ausübung).
Der Käufer übt sein Recht aus. Deine 100 Aktien werden zu 110 Euro verkauft.
Ergebnis:
- Verkaufserlös: 100 × 110 € = 11.000 €
- Prämie: 150 €
- Gesamteinnahme: 11.150 €
- Einstand: 100 × 95 € = 9.500 €
- Gewinn: 1.650 €
Du hast deine Aktien zu deinem Wunschpreis verkauft (110 Euro statt 95 Euro Einstand) und zusätzlich Prämie kassiert.
Was du verpasst: Wenn die Aktie nach Ausübung weiter auf 130 Euro gestiegen wäre, hättest du den weiteren Aufwärtstrend nicht mitgenommen. Das ist der Trade-off des Covered Call.
Szenario C: Aktie fällt auf 85 Euro.
Die Option verfällt wertlos. Niemand will zu 110 Euro kaufen, wenn er für 85 Euro am Markt bekommt.
Ergebnis: Du behältst deine 100 Aktien (jetzt 8.500 Euro statt 10.000 Euro wert). Du behältst die 150 Euro Prämie.
Wichtig: Der Buchverlust auf deine Aktien ist nicht durch den Covered Call entstanden. Er wäre auch ohne den Trade entstanden. Die 150 Euro Prämie haben den Verlust abgemildert.
Was du als nächstes tust: Du kannst einen neuen Covered Call mit niedrigerem Strike verkaufen oder warten, bis die Aktie sich erholt.
Welche Aktien sich eignen
Nicht jede Aktie ist ein guter Covered-Call-Kandidat. Die Praxis zeigt:
Gut geeignet:
- Solide Blue Chips mit moderaten Schwankungen (zum Beispiel Apple, Microsoft, Procter & Gamble)
- Aktien, die du langfristig halten würdest, auch ohne Optionen
- Aktien mit liquidem Optionsmarkt (enge Spreads, hoher Options-Traffic)
- ETFs auf große Indizes (zum Beispiel SPY für den S&P 500), oft sogar besser geeignet als Einzelaktien
Weniger geeignet:
- Hochvolatile Wachstumstitel (zum Beispiel Tesla, NVIDIA in heißen Phasen): hohe Prämien, aber auch hohe Risiken eines starken Anstiegs (du wirst „weggepicht“) oder eines starken Falls (Buchverlust)
- Story-Aktien ohne Substanz: Wenn der Hype kippt, fällt die Aktie schnell, und du sitzt auf einer Position, die du eigentlich nicht halten wolltest
- Penny Stocks: Spreads zu groß, Liquidität zu gering
- Aktien vor wichtigen Terminen (Earnings, FDA-Entscheidungen, Quartalszahlen): hohe implizite Volatilität, hohes Bewegungsrisiko
Strike und Laufzeit
Hier scheitern viele Einsteiger. Die Faustregeln, die in der Praxis funktionieren:
Strike: 5 bis 10 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Zu nah am Kurs (zum Beispiel 1 Prozent darüber): hohe Prämie, aber sehr wahrscheinliche Ausübung. Du verlierst deine Aktie regelmäßig.
Zu weit weg (zum Beispiel 20 Prozent darüber): sehr niedrige Prämie. Lohnt sich kaum.
Die 5-bis-10-Prozent-Regel ist ein guter Kompromiss aus spürbarer Prämie und realistischer Wahrscheinlichkeit, die Aktie zu behalten.
Laufzeit: 30 bis 45 Tage.
Kürzere Laufzeiten (1 bis 14 Tage): höherer Zeitwertverfall pro Tag, aber auch mehr Aufwand und Gebühren.
Längere Laufzeiten (60+ Tage): mehr Prämie absolut, aber weniger pro Tag und längere Bindung.
30 bis 45 Tage ist der Sweet Spot, in dem der Zeitwertverfall am stärksten arbeitet.
Gewinnmitnahme. Erfahrene Stillhalter schließen ihre Calls oft frühzeitig, sobald 50 bis 75 Prozent der Prämie als Gewinn realisiert sind. So minimieren sie das Restrisiko und können die nächste Runde schneller starten.
Wann ein Covered Call passt und wann nicht
Passt, wenn:
- Du bereits Aktien hältst, die du langfristig nicht stark steigend siehst
- Du bereit bist, sie zu einem höheren Preis zu verkaufen
- Du regelmäßige Einnahmen zum Aktienportfolio möchtest
- Du in einem seitwärts laufenden oder leicht steigenden Markt bist
Passt nicht, wenn:
- Du eine Aktie hältst, von der du eine starke Aufwärtsbewegung erwartest. Dann deckelst du dich selbst.
- Du eine Aktie hältst, die du auf keinen Fall verkaufen willst (zum Beispiel aus steuerlichen Gründen)
- Du weniger als 100 Aktien des Underlyings hältst (Kontraktgröße)
- Du in einer stark fallenden Marktphase bist. Die Prämien decken die Kursverluste nicht.
Die typischen Fehler
Strike zu nah am Kurs. Aus Gier nach hoher Prämie wird der Strike zu nah angesetzt. Ergebnis: Die Aktie wird ständig „weggepicht“, du baust keine langfristige Position auf, du zahlst ständig Gebühren.
Covered Calls auf Story-Aktien. Hype-Aktien haben hohe Prämien, aber auch hohes Risiko, dass die Aktie 30 Prozent fällt und du auf einer Position sitzt, die du nie wolltest.
Earnings ignorieren. Wenn ein Quartalsbericht in der Laufzeit deines Calls liegt, kann ein Sprung von 10 Prozent über Nacht passieren. Erfahrene Stillhalter setzen Calls so, dass sie vor dem Earnings-Termin auslaufen.
Verluste nicht wahrhaben. Wenn die Aktie kräftig fällt, drücken viele die Augen zu und hoffen. Besser: Eigene Regel definieren („Bei Buchverlust X verkaufe ich oder reduziere Position“). Disziplin schlägt Hoffnung.
Niemals Gewinn mitnehmen. Manche lassen Calls bis zum Verfall laufen, weil „dann gehört die Prämie zu 100 Prozent mir“. Aber: 75 Prozent Gewinn nach 10 Tagen ist oft besser als 100 Prozent nach 30 Tagen, weil du das Restrisiko abnimmst und die nächste Runde starten kannst.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich genau 100 Aktien?
Ja, ein Standard-Optionskontrakt entspricht 100 Aktien. Wer 200 Aktien hat, kann zwei Calls verkaufen, wer 50 hat, kann keinen Covered Call machen.
Ist ein Covered Call risikofrei?
Nein. Das einzige Risiko, das er nicht hat, ist der „klassische Naked-Call-Verlust“. Aber das Risiko, dass deine Aktien stark fallen, bleibt. Der Covered Call mildert nur ab.
Kann ich Covered Calls auf ETFs machen?
Ja, sehr gerne. Auf große ETFs wie SPY, QQQ oder IWM gibt es liquide Optionsmärkte. Für viele Einsteiger sogar besser als Einzelaktien.
Was passiert bei einer Dividende?
Vor dem Ex-Dividenden-Datum kann ein Käufer den Call vorzeitig ausüben, um die Dividende mitzunehmen. Du bekommst die Dividende dann nicht. In der Praxis selten, aber kalkulierbar.
Wie viel Steuern fallen an?
In Deutschland werden Optionsprämien als Kapitalerträge nach Abgeltungssteuer (25 Prozent plus Soli) versteuert. Detaillierter im Artikel Abgeltungssteuer auf Aktien.
Was ist ein Buy-Write?
Ein Trade, bei dem du gleichzeitig 100 Aktien kaufst und einen Call darauf verkaufst. Funktional identisch mit einem Covered Call, nur in einem Schritt.
Was wenn der Kurs explodiert (zum Beispiel +50 Prozent)?
Du verkaufst zu deinem Strike (zum Beispiel 110 Euro), obwohl die Aktie bei 150 Euro steht. Das ist der psychologisch schwerste Moment der Strategie. Lösung: Vorher akzeptieren, dass das passieren kann. Du gibst Aufwärtspotenzial gegen Prämie.
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Rechtlicher Hinweis
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