Strike, Laufzeit, Prämie: Die drei Hebel jeder Option
Strike, Laufzeit, Prämie: Die drei Hebel jeder Option
Jede Option hat genau vier Parameter: Underlying (die Aktie), Strike, Laufzeit und Prämie. Wer die vier versteht, versteht 80 Prozent des praktischen Options-Handels.
Die Grundlagen zu Optionen sind im Pillar Was ist eine Option? erklärt. Dieser Artikel geht tiefer in die drei Parameter ein, die du aktiv wählst: Strike, Laufzeit, Prämie. Wie sie zusammenhängen, wie die Prämie zustande kommt, und welche Hebel du hast.
Die drei Parameter in Kurzform
Strike: Der Ausübungspreis. Der Preis, zu dem im Ausübungsfall die Aktie gekauft oder verkauft wird.
Laufzeit: Die Zeit bis zum Verfall der Option. Üblich sind 7 Tage bis mehrere Jahre.
Prämie: Der Preis der Option. Was der Käufer zahlt, was der Verkäufer kassiert.
Von diesen drei Werten ist die Prämie das Ergebnis. Du wählst Strike und Laufzeit, der Markt bestimmt die Prämie.
Der Strike: Wo liegt der Einstieg
Der Strike-Preis entscheidet, ab wann die Option wirtschaftlich sinnvoll ist.
Bei einem Call: Wirtschaftlich sinnvoll für den Käufer, wenn der Aktienkurs über dem Strike liegt. Der Käufer kann dann zum Strike kaufen und am Markt teurer verkaufen.
Bei einem Put: Wirtschaftlich sinnvoll für den Käufer, wenn der Aktienkurs unter dem Strike liegt. Er kann zum Strike verkaufen (obwohl er teurer gekauft hat).
Je nach Lage des Strike relativ zum aktuellen Kurs spricht man von:
Im Geld (in the money, ITM): Der Strike ist auf der profitablen Seite. Ein Call mit Strike 95, wenn die Aktie bei 100 steht, ist ITM. Ein Put mit Strike 105 bei der gleichen Aktie ist ITM.
Am Geld (at the money, ATM): Der Strike liegt genau auf dem aktuellen Kurs. Seltener, weil sich das im Verlauf des Tages ständig ändert.
Aus dem Geld (out of the money, OTM): Der Strike ist auf der nicht profitablen Seite. Ein Call mit Strike 105 bei Aktie 100 ist OTM. Ein Put mit Strike 95 bei gleichem Kurs ebenfalls OTM.
Für Stillhalter-Geschäfte wählst du den Strike meist so, dass er OTM ist:
- Bei Cash-Secured Puts: Strike 5 bis 10 Prozent unter dem aktuellen Kurs.
- Bei Covered Calls: Strike 5 bis 10 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Das bedeutet: Die Option verfällt mit hoher Wahrscheinlichkeit wertlos, du kassierst die Prämie. Die andere Seite (Ausübung) ist für dich ebenfalls akzeptabel.
Die Laufzeit: Wie lange läuft die Option
Übliche Laufzeiten:
Sehr kurz (1 bis 7 Tage): Hohe Zeitwert-Beschleunigung, viel Aufmerksamkeit nötig. Für Fortgeschrittene.
Kurz (7 bis 30 Tage): Standard für schnelle Trades und engagiertes Stillhalten.
Mittel (30 bis 60 Tage): Der Sweet Spot für die meisten Stillhalter. 30 bis 45 Tage haben das beste Verhältnis aus Prämie, Zeitverfall und Aufwand.
Lang (60 bis 120 Tage): Mehr absolute Prämie, aber weniger pro Tag. Gut für Leute, die weniger aktiv sein wollen.
Sehr lang (LEAPS, 1 Jahr oder länger): Spezielle Strategien für langfristige Absicherung oder gekaufte Optionen als Aktien-Substitut.
Die meisten Stillhalter arbeiten in der 30- bis 45-Tage-Zone, weil dort der Zeitwertverfall (Theta) relativ am stärksten ist.
Die Prämie: Wie kommt sie zustande
Die Prämie einer Option hängt von fünf Faktoren ab. Drei davon sind fix, zwei variabel.
Fix:
- Strike-Abstand zum Kurs. Je weiter der Strike vom Kurs entfernt, desto niedriger die Prämie.
- Laufzeit. Je länger die Laufzeit, desto höher die Prämie (absolut, nicht pro Tag).
- Volatilität des Underlyings. Je stärker die Aktie schwankt, desto höher die Prämie.
Variabel im Tagesverlauf:
- Aktueller Aktienkurs. Bewegt sich der Kurs, passen sich die Prämien an.
- Implizite Volatilität. Die Erwartung des Marktes über zukünftige Schwankungen. Kann durch Nachrichten, Earnings-Ankündigungen oder allgemeine Marktpanik schnell steigen.
Die Formel dahinter heißt Black-Scholes (mit Erweiterungen). Als Privatanleger musst du sie nicht kennen, weil jeder Broker die Prämie automatisch berechnet. Du siehst sie in der Optionskette und wählst, was dir passt.
Wie du Strike und Laufzeit wählst
Für einen typischen Cash-Secured Put oder Covered Call:
Schritt 1: Underlying auswählen. Eine Aktie, die du auch zum normalen Kurs halten würdest.
Schritt 2: Laufzeit bestimmen. Standard: 30 bis 45 Tage bis Verfall.
Schritt 3: Optionskette öffnen. Im Broker-Tool die verfügbaren Strikes und Prämien für deine Laufzeit anzeigen.
Schritt 4: Strike auswählen. Richtwert: etwa 5 bis 10 Prozent OTM. Bei Put unterhalb, bei Call oberhalb.
Schritt 5: Prämie prüfen. Faustregel: Mindestens 0,3 Prozent der gebundenen Sicherheit in 30 Tagen. Darunter lohnt es sich kaum wegen Gebühren.
Schritt 6: Plan dokumentieren. Welches Ziel, wann Gewinnmitnahme, wann Schließen bei Verlust.
Beispiel: Aktie bei 100 Euro, du verkaufst einen Cash-Secured Put.
- Laufzeit: 35 Tage
- Strike: 95 Euro (5 Prozent OTM)
- Prämie: 1,50 Euro (150 Euro bei einem Kontrakt über 100 Aktien)
- Rendite auf Sicherheit (9.500 Euro): 1,58 Prozent in 35 Tagen
- Break-Even: 93,50 Euro (Strike minus Prämie)
Das sind Zahlen, bei denen ein solider Stillhalter-Trade beginnt.
Wie die Parameter sich gegenseitig beeinflussen
Der wichtigste Zusammenhang: Wenn du einen Parameter änderst, ändert sich die Prämie.
Strike näher am Kurs → Prämie steigt. Logisch, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Option ausgeübt wird.
Längere Laufzeit → Prämie steigt. Mehr Zeit für unerwartete Bewegungen.
Höhere Volatilität → Prämie steigt. Mehr Schwankung bedeutet mehr Chancen und mehr Risiko.
Wenn du mehr Prämie willst, musst du eine dieser drei Sachen ändern. Jede Änderung bringt aber Nebenwirkungen:
- Strike näher am Kurs = höhere Ausübungs-Wahrscheinlichkeit.
- Längere Laufzeit = Kapital länger gebunden, mehr Zeit für negative Überraschungen.
- Höhere Volatilität = höheres Risiko der Aktie selbst.
Es gibt keinen kostenlosen Lunch. Wer höhere Prämien will, akzeptiert höheres Risiko. Genau deshalb funktioniert Stillhalten: Die Prämie ist im Grunde eine Kompensation für das übernommene Risiko.
Die Griechen: Für Fortgeschrittene
Die sogenannten Greeks (griechische Buchstaben) messen, wie sich die Optionsprämie bei Veränderung einzelner Faktoren ändert. Für Einsteiger nicht nötig, aber kurz zum Überblick:
Delta: Wie stark ändert sich die Prämie, wenn der Aktienkurs um 1 Euro steigt? Delta 0,5 heißt: Prämie steigt um 0,50 Euro pro 1 Euro Kursanstieg.
Theta: Wie viel Prämie verliert die Option pro Tag (Zeitverfall)? Theta ist immer negativ für Käufer, positiv für Verkäufer.
Vega: Wie stark ändert sich die Prämie, wenn die implizite Volatilität um 1 Prozent steigt?
Gamma: Wie stark ändert sich Delta, wenn der Kurs sich ändert?
Für Einsteiger reicht: Theta arbeitet für Stillhalter (Zeitverfall ist dein Freund), Vega arbeitet gegen Stillhalter (steigende Vola kostet dich Prämie, die du schon verkauft hast).
Konkrete Beispiele aus der Praxis
Beispiel 1: Cash-Secured Put auf Apple
- Aktie bei 180 Euro, angenommene Volatilität mittel.
- Laufzeit 30 Tage, Strike 170 Euro (ca. 5,5 % OTM).
- Prämie typischerweise: 1,80 bis 2,50 Euro (180 bis 250 Euro pro Kontrakt).
- Sicherheit: 17.000 Euro.
- Rendite: etwa 1,1 bis 1,5 Prozent in 30 Tagen.
Beispiel 2: Covered Call auf Tesla
- Aktie bei 200 Euro, hohe Volatilität.
- Laufzeit 30 Tage, Strike 215 Euro (7,5 % OTM).
- Prämie: 4,00 bis 6,00 Euro (400 bis 600 Euro pro Kontrakt).
- Du besitzt die Aktien bereits.
- Rendite auf Aktienwert (20.000 Euro): 2 bis 3 Prozent in 30 Tagen.
Beispiel 3: Covered Call auf Procter & Gamble
- Aktie bei 150 Euro, niedrige Volatilität.
- Laufzeit 30 Tage, Strike 155 Euro (3,3 % OTM).
- Prämie: 0,80 bis 1,20 Euro (80 bis 120 Euro pro Kontrakt).
- Rendite auf Aktienwert (15.000 Euro): 0,5 bis 0,8 Prozent in 30 Tagen.
Man sieht: Volatilere Aktien bringen höhere Prämien, aber höheres Risiko (Tesla vs. P&G). Dafür sind die Preise auch schwankungsanfälliger.
Häufige Fragen
Warum ändert sich die Prämie im Tagesverlauf?
Weil sich Aktienkurs und implizite Volatilität ständig ändern. Beides fließt in die Preisformel ein.
Kann ich die Prämie verhandeln?
Nein. Prämien werden am Markt durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Du kannst aber eine Limit-Order eingeben, die nur ausgeführt wird, wenn der Preis deinen Vorstellungen entspricht.
Was bedeutet „Premium-to-Strike-Ratio“?
Die Prämie geteilt durch den Strike mal 100. Wenn du für eine Option mit Strike 95 eine Prämie von 2 Euro bekommst, ist das eine Ratio von 2,1 Prozent. Faustregel: Unter 0,3 Prozent lohnt es sich wegen Gebühren nicht.
Warum sind 30 bis 45 Tage der Sweet Spot?
Weil der Zeitwertverfall dort am stärksten relativ zur restlichen Laufzeit wirkt. Bei kürzeren Laufzeiten ist der Verfall schnell, aber die absolute Prämie klein. Bei längeren Laufzeiten ist der Verfall pro Tag zu gering.
Was ist eine „Ratio-Strategie“?
Fortgeschrittene Strategien, bei denen verschiedene Strikes und Laufzeiten kombiniert werden (zum Beispiel zwei verkaufte Calls plus ein gekaufter Call). Für Einsteiger nicht relevant.
Lohnen sich kurze Laufzeiten (unter 7 Tagen)?
Für erfahrene Trader ja. Der Zeitwertverfall ist extrem hoch. Aber auch das Risiko, weil eine Kursbewegung gegen dich dich in Sekunden massiv trifft. Für Einsteiger: Finger weg.
Im Kurs geht es konkret weiter
Im Kurs Modul 05 „Optionshandel“ zeigen wir dir, wie du Strike und Laufzeit für verschiedene Marktsituationen wählst, mit konkreten Beispielen und dem Regelwerk, das sich in meiner eigenen Praxis bewährt hat.
Weiterlesen
- Was ist eine Option?
- Was ist ein Stillhaltergeschäft?
- Cash-Secured Put erklärt
- Covered Call erklärt
- Call vs. Put
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.
Wortanzahl: ca. 1.500 Wörter
Schreibstil: Kalibrierte Voice. Kompakter, technischer Artikel.
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